Wolfgang Beutin:

Der Wanderer im Wind. 

Über die dicken und die dünnen Perioden im Leben des Bauamtmanns
Heinrich Beelzow, eines gebürtigen Mecklenburgers,
nachmals in Bremen ansässig geworden.
Roman.

ISBN 978-3-928770-45-3; 312 S., Hamburg 1991; 15,00 Euro
(nur noch vereinzelt Exemplare, teils mit Mängeln, lieferbar)




Nach seinem Roman Das Jahr in Güstrow (1985) präsentierte Wolfgang Beutin 1991 ein weiteres Beelzow-Familienepos, in dem Heinrich Beelzow, 1874-1956, im Mittelpunkt steht.
Sein Enkel forscht nach den "dicken" und "dünnen" Perioden im Leben des Großvaters. Neben eigener Erinnerungen und Aussagen von Verwandten dienen Briefe, die Restbestände einer Handbibliothek, Fotographien und eine unvollendete Autobiographie als Grundlagen der Recherche. Mosaikartig wird das Lebensbild des Bauamtmanns der bremischen Wasserstraßen- und Schifffahrtsdirektion Heinrich Beelzow konstruiert - eines hanseatische Ingenieurs, der nicht nur im Weserraum zum Einsatz kam. Er wirkte an zahlreichen Orten Norddeutschlands. So war er von 1896-1900 am Bau des Elbe-Trave-Kanals beteiligt, anschließend wurde er für den Schleusenbau am Oder-Spree-Kanal verpflichtet. 1906 trat er die Stelle in Bremen an.
Der Roman ist in 3 Abschnitte unterteilt, die in unterschiedlicher Weise in Form und Inhalt einen Blick auf das Leben und Wirken Heinrich Beelzows freilegen.
Die Jahre 1945 bis 1956 werden - teils bewundernd - aus dem Blickwinkel des Enkels geschildert, gefolgt von den frühen Jahren, 1874 bis 1902, in denen autobiographische Zeugnisse im Zentrum stehen. Die Jahre 1902 bis 1945 wiederum betrachtet der Leser aus dem kritischen Blickwinkel des Sohns.

Nicht nur durch die dem Roman folgenden Ausstellungen im Elbschifffahrtsmuseum in Lauenburg und Staatsarchiv Bremen traf das Werk auf weite Resonanz (siehe Abschnitt Wanderer-Ausstellung auf dieser Homepage). Der Autor trat auf zahlreiche Lesungen mit dem Wanderer-Roman auf, die vielerorts gut besucht waren und eine lebhafte Presseberichterstattung (nicht nur in Norddeutschland!) nach sich zogen.

Der Roman war noch nicht erschienen, so war aber bereits am 1.10.1988 folgender Artikel in den Erlanger Nachrichten zu lesen:




Der Roman erschien im Sommer 1991. Es folgten Besprechungen, darunter die des Berliner Schriftstellers und Autors Eberhard Hilscher am 29.10.1991 in der Neuen Zeit:

Aus: Neue Zeit (Berlin), 29. Oktober 1991
Erinnerungen an den guten Geist des Großvaters. 
Beutins Familienroman "Der Wanderer im Wind"
Etwa in der Mitte des Romans berichtet der Ich-Erzähler Lothar vom Besuch einer Barlach-Ausstellung in Güstrow. Dabei fragen er und seine Frau Jütte, warum man eigentlich immer nur das "überragende" präsentiere und nicht "Menschen des Alltags". Das scheint die Keimzelle des vorliegenden Buches gewesen zu sein, eine Anregung, Ursprünge zu erforschen und auf Spurensuche zu gehen nach dem faszinierenden Ahnherrn und Bauamtmann Heinrich Beelzow und dessen Kreis.
Es entstand ein "Familienroman" mit Ewigkeitsthemen von den Wechselfällen des Lebens, Liebe und Tod. Hier mögen sich Reminiszenzen einstellen an berühmte Vorläufer wie Zollas "Rougon-Macquart"-Zyklus, Thomas Manns "Buddenbrooks", Galsworthy "Forsyte-Saga" u.a., die der promovierte Literaturwissenschaftler und Schriftsteller Wolfgang Beutin (geb. 1934) selbstverständlich kennt und schätzt. Er ordnet sich durchaus in diese Tradition ein. Aber obwohl er in vergleichbarer Weise fabuliert und eine Fälle (anfangs nicht leicht überschaubarer) Personen charakterisiert, Verwandte und Bekannte, Eltern und Voreltern, kuriose Episodenfiguren, wählt er bald "moderne" Darbietungsformen.
So läßt er seinen Chronisten sorgsam recherchieren und ein Dasein rekonstruieren aus Urkunden, Briefen, Notizen, vertraulichen Auskünften und persönlichen Erinnerungen. Wiederholt durchbricht er die Generationsgeschichte, teilt Informationen aus verschiedenen Blickwinkeln mit und verbindet die Großvaterbiographie mit der eigenen. Ihm gelingt eine epische Dokumentation vom ausklingenden vergangenen bis zur Mitte des gegenwärtigen Jahrhunderts mit Zeitbildern, die vor allem jüngeren Lesern das Vergnügen mittelbarer "Augenzeugenschaft" ermöglichen.
Zunächst hören wir vom Pensionsalltag des ehemaligen Baumeisters, Ingenieurs und jetzigen alten Herrn Heinrich, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg zielstrebig und erfolgreich um die Wiedergewinnung von Haus und Besitztümern bemüht. Ein wieder aktuelles Thema, ebenso wie jenes von damaliger Geldentwertung, Mißgunst und Denunziation. Einprägsam die Szenen von der Wohnungsnot, Hunger, Kälte, Hamsterfahrten aufs Land und kargen Kindheitsfreuden. Für den Erzähler erweist sich der Großvater als "guter Geist" mit "humoristischem Wohlwollen", dem der Junge in trüber Nachkriegszeit vieles verdankt. Vor allem Bildungsgüter wie Raabe, Reuter und Wilhelm Busch, deren Nachwirkungen im Roman spürbar sind. Am Ende der Geschichte ist Old Henri nicht älter als zu Beginn, weil der Chronist zunächst dessen letztes Lebensjahrzehnt und eigene Jugenderfahrungen schildert und Früheres später nachholt.
Im zweiten Teil wertet er dann weitgehend "Nachlaßtexte" aus, berichtet von Opas Schul-, Wander- und Tiefbautechnikerzeit in Güstrow, Altstrelitz, Fürstenberg, Lübeck, Bremen und anderen Orten. Dabei wird oftmals Essayistisches und Kommentierendes gemischt mit biographischen Denkwürdigkeiten und Proben aus "authentischen" Aufzeichnungen, die der Zitator als eulenspiegelhaft empfindet, eine "Schwanksammlung" mit "plattdeutschem Volkshumor". Der Autor selbst betrachtet sie nur als "Steinbruch für Erkenntnisse". Vielleicht hätte er den schalkhaften Wesenszug des Großvaters noch stärker dominieren lassen sollen in seinem nachdenklich stimmenden Roman vom Woher und Wohin einer deutschen Familie.
Eberhard Hilscher




Einen Tag zuvor, am 28.10.1991, veröffentlichte Margot Walther folgenden Artikel und strich vor allem den Bremen-Bezug des Roman heraus.
Einen Monat später fand die "offizielle Buchpremiere" zu dem Roman in der Bremer Stadtbibliothek statt.









...die Veranstaltung fand in Presse und Rundfunk weite Beachtung:

Weser Kurier, 21.11.1991


 TAZ-Bremen, 26.11.91

Bremer Anzeiger vom 23.11.1991



Fast 10 Minuten Interview und Ankündigung  der  Buchpremiere bei Radio Bremen. Der Tod von Klaus Kinski nahm nicht einmal 5 Minuten Sendezeit ein.
 



Aber auch Kritik - oder nur pikiert? Aus: Skript, Nr. 3, 1991:







Zuvor: Am 9.11.1991 berichten die Lübecker Nachrichten von dem Roman, in dem ein Techniker um die Jahrhundertwende am Elbe-Trave-Kanal mit baute.




Lübecker Nachrichten vom 5.4.1992




Weitere Veranstaltungen zum Wanderer-Roman

Norderstedter Zeitung vom 27.11.1991



Schweriner Volkszeitung vom 10.2.1992 und 15.2.1992

 

Markt Trittau, 27.2.1992




Hallesches Tageblatt vom 18.3.1992













Mannheimer Morgen vom 12.6.1992







Segeberger Zeitung vom 18.5.1992









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